Tagesordnungspunkt 1 bei der Gemeinderatssitzung am 08.06.09 war die Machbarkeitsstudie eines Biomasse-Heizkraftwerkes, die von einem Vertreter der bay. Staatsforsten vorgestellt wurde.
Es ging dabei vor allem um die Beheizung der Therme, aber auch um die Energieversorgung ganz Bad Stebens bzw. einer ganzen Reihe von Einzelkunden.
Der Vertreter der bay. Staatsforsten stellte in einem Power-Point-Vortrag die Studie vor.
In einer Karte war das Heizkraftwerk unmittelbar neben der Therme in der Steinbacher Straße eingezeichnet. Weiterhin waren in den Straßenzügen Bad Stebens mögliche Trassen für eine Fernwärmeversorgung dargestellt.
Es wurde deutlich gemacht, dass es nicht eine einfache Heizung werden soll, sondern ein ausgewachsenes Kraftwerk mit einer angeschlossenen Fernwärmeversorgung, das nur Sinn macht, wenn es direkt neben der Therme steht. (ergo in den Moorwiesen) Grund für den Standort sei der größte Abnehmer, die Staatsbad-GmbH mit rund 13.000 MWh pro Jahr und vor allem die Tatsache, dass die Therme mit Dampf beheizt wird. Man könne vom Kraftwerk direkt von der Dampfturbine einen Abzweig legen und damit die Therme versorgen.
Es wurde aber auch mitgeteilt, dass die Anlage theoretisch auch an jedem anderen Punkt im Fernwärmenetz errichtet werden könne. Es sei dabei aber die Wirtschaftlichkeit zu beachten. Besser wäre es, wenn die Anlage im Zentrum der Großabnehmer stehen würde.
Nach den Berechnungen müsste es ein Kraftwerk mit sage und schreibe 30.000 Megawattstunden/Jahr werden, da auch Privatkunden angeschlossen werden sollten!
Auf Nachfrage einzelner Gemeinderäte wurden auch die Ausmaße einer solchen Anlage bekannt.
10.000 qm Fläche würden für die Anlage und den Biomasse-Lagerplatz benötigt. Es wurde auch deutlich, dass eine Anlage dieser Größe nur mit Holz gefahren werden kann.
Tägliche Anfahrt von 4 bis 6 Lastzügen mit Hackschnitzeln! (bei der Präsentation wurde dabei aber nur von einem Jahresverbrauch von 16.000 Tonnen gesprochen).
Anmerkung von mir:
Ich habe mir im Internet eine vergleichbare Anlage mit 30.000 Megawattstunden/Jahr herausgesucht. Dort wird von einem Verbrauch von 3,7 t pro Stunde gesprochen. Dies würde einer Jahresmenge von rund 32.000 Tonnen entsprechen. Vermutlich würden also bei der für Bad Steben vorgeschlagenen Anlage nicht 4 bis 6 Lastzüge täglich (außer Sonn- und Feiertage) anrollen, sondern doppelt so viel! Selbst bei einer kleineren 16.000 t-Anlage ist das schon eine enorme Belastung des Kurbereiches.
In der 30.000 MWh-Anlage in Malsch werden 3,7 Tonnen pro Stunde veranschlagt. Das entspricht ungefähr 10 Festmetern Holz (ca. 10 Bäume) pro Stunde. Das sind rund 81.000 Festmeter Holz pro Jahr. Bei uns stehen durchschnittlich 600 Festmeter Holz pro Hektar in einem Wald. Bildlich gesprochen kann man davon ausgehen, dass eine Anlage dieser Größenordnung jährlich eine Waldfläche von rund 140 Hektar verbraucht. Das ist deutlich mehr als die gesamte bebaute Fläche Bad Stebens. (Der Wald von der Mordlau bis Lichtenberg hat ca. 170 Hektar) Natürlich wird dies nicht aus einer Waldfläche herausgenommen. Die Beispiele sollten nur die Größenordnung verdeutlichen.
Wie viel Wasser für die Dampfturbine verbraucht wird, wurde nicht gesagt, auch nicht, woher das Wasser kommen soll.
Mehrere Gemeinderäte (Vogler, Gärtner) sahen den Standort in der Steinbacher Straße kritisch.
Wolfgang Heger