Sie sind hier: > Der Kurpark
19.5.2012 : 20:05

Wolfgang Heger
Berliner Str. 21
95138 Bad Steben

09288/97390

Was gibt es neues?

Aktuelles:

10.10.09 12:21

Kurpark unter Denkmalschutz

Am 21.09.09 wurde der Kurpark Bad Steben unter Denkmalschutz gestellt! Dies stellt einen...


zum Archiv ->

Kurpark Bad Steben

Referat von Dieter Blechschmidt am 9. Oktober 2009

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

seit Wochen und Monaten beschäftigt man sich in Steben aus gegebenem Anlass mit dem Kurpark. Ich persönlich habe zahlreiche Gespräche mit Stebenern, aber auch mit Bürgern des Landkreises über dieses Thema geführt. Die Reaktionen über den angedachten oder geplanten Hotelbau mitten im Kurpark reichten von Kopfschütteln, Unverständnis bis hin zu Wut und Empörung. Verständnis für den Plan haben ganz wenige gezeigt. Mir ist dabei klar geworden, welch großer Akzeptanz sich der Kurpark erfreut, bei uns Einheimischen, aber auch bei den Kurgästen.

Ich habe mich daraufhin genauer mit dem Objekt beschäftigt, las Veröffentlichungen von Heinrich Mörtel, Hans Singer und Albert Frotscher. Ich besorgte mir alte Karten vom Kurpark, nahm Kontakt zum Landratsamt und zur Außenstelle des Landesamts für Denkmal­pflege in Bamberg auf. Ich wollte etwas herausfinden über Bedeutung, Qualität, Stellenwert  des Kurparks. Vor allem war mir wichtig, etwas darüber zu erfahren, welchen Wert die Denkmalschützer dem Stebener Kurpark heute zumessen.

Das Ergebnis meiner Nachforschungen und Aktivitäten möchte ich Ihnen hiermit vorstellen. Gestalten Sie, dass ich etwas weiter aushole und auch das Umfeld, wie etwa die Geschichte Stehens beleuchte und einbeziehe.

 Stebener Quellen und der Badebetrieb vor 1810

Vor 1810 — das war eine Zeit, in der es den Kurpark natürlich überhaupt noch nicht gab. Von Chronisten des 15. Jahrhunderts sind uns Nachrichten über die Stebener Mineralquellen überliefert. Das Wasser wurde wegen seiner mineralischen Eigenschaften und seines Kohlensäuregehalts als Erfrischungsgetränk getrunken und auch zum Baden verwendet. Die Stebener waren Bauern, Bergleute, Köhler, Schmiede in den umliegenden Erzschmelzen und Hammerwerken. Nicht nur die Menschen, auch die Gemeinde war arm — an einen Kurbetrieb irgendwelcher Art war überhaupt nicht zu denken. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg begann die medizinische Wissenschaft damit, sich für die Heilkraft der Stebener Mineralquellen zu interessieren. Der „Stebener Säuerling" wurde von zahlreichen Wissenschaftlern untersucht, beschrieben und empfohlen. Aber in Steben selbst regte sich nichts in Bezug auf einen Badebetrieb. Schuld daran war auch das Desinteresse der Landes- und Grundherren, der Markgrafen, die sich so gut wie nicht um die Heilquellen kümmerten. Die Markgrafen von Bayreuth betrachteten das kleine Alexandersbad bei Wunsiedel als ihr Bad, das sie oft besuchten und dem sie weit mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung gewährten.

1751 verkauften die Markgrafen die Brunnen an die Gemeinde Steben. Um die Quellen herum war v. a. sumpfiges Wiesenland, auch Pingen vom Bergbau. Ein Augenzeuge jener Zeit beschreibt das Areal folgendermaßen: "Rund um die Quellen eine zertretene, kahle Wiese, allerdings dicht am Brunnen steht eine bretterne Hütte, die ich für eine Hundehütte ansah. Promenaden und Alleen sind freilich nicht da, alles ist Gott und der Natur, öfters der garstigen Natur, überlassen, denn selbst im Dorfe, und besonders vor den Häusern, tritt man bei nassem Wetter beständig in Koth". (Hofrat Voit)

In der Markgrafenära — leider erst als diese zu Ende ging — gab es allerdings zumindest einen prominenten Förderer und Freund Stebens, nämlich Herrn von Weitershausen, den markgräflichen Landeshauptmann in Hof. Dieser veranlasste u. a. 1784 den Bau eines Kurhotels, eines sogenannten „Bad- und Traiteurhauses", um betuchteren Gästen eine ordentliche Unterkunft und damit einen Anreiz zum Besuch des Ortes zu geben. Man fand damals in dem Dorf Steben kaum Quartiere, die etwas gehobeneren Ansprüchen genügten. Das Projekt des Landeshauptmanns schlug leider fehl. Er ließ sich aber nicht beirren in seinem Bemühen um eine Verbesserung des Badebetriebs. Er versuchte zweimal, vom Dorf zu den Quellen eine Allee anzulegen. Unbekannte rissen die gepflanzten Bäume wieder aus.

Nach den Markgrafen übernahmen die Preußen die Herrschaft — es war die Humboldtzeit. Es folgten Jahre französischer Besatzung. Napoleon ließ die Provinz Bayreuth von dem Zivil- gouverneur Camille de Tournon verwalten, der in der Zeit von 1806 bis 1809 zweimal persönlich nach Steben kam, um die Brunnenanlagen herrichten und verbessern zu lassen. Er ordnete an, dass der Weg vom Dorf zu den Quellen zu einer breiten, gut befestigten Straße ausgebaut werden sollte (heutige Badstraße). Er bezeichnet 1809 das Gebiet um die Quellen als „triste Gegend, in die einen nur die Suche nach Heilung führt".

Stebens Entwicklung zum Staatsbad im Königreich Bayern

Stebens Entwicklung als Kurort und sein Aufstieg zum Staatsbad erfolgte im Königreich Bayern, es erfreute sich einer großzügigen und weitblickenden Förderung durch die bayerischen Monarchen — v. a. durch Prinzregent Luitpold — und die Regierungen des König- reiches.

Ein sehr wichtiger Meilenstein auf diesem Weg war der Erwerb der Stebener Heilquelle durch den Staat im Jahr 1834.

Es war die Biedermeierzeit, in der Stebens Aufstieg zum bedeutenden Kurort begann, in der sich auch der Kurpark aus kleinen Anfängen heraus zu entwickeln begann. Aber 1834 beim Kauf der Quellen stand vom heutigen Kurpark noch nicht ein Baum. Der Staat verpflichtete sich in dem Kaufvertrag, durch Verbesserung und Erweiterung der vorhandenen Anstalten den gemeinnützigen Gebrauch der Quellen zu erhöhen. Er erwarb aber zunächst lediglich 1/10 ha Grund und Boden um die Quellen.

Die wichtigen Baumaßnahmen für den wachsenden Kurbetrieb, die Kureinrichtungen wurden überwiegend vom bayerischen Staat finanziert und ausgeführt. In diesem Zusammenhang sind zu erwähnen: die alte gedeckte „Promenade" (1837), das von Leo v. Klenze entworfene "Badehaus" (1838), später das „Parkschlösschen" (1902), die

„Wandelhalle" (1909/10), das „Staatl. Kurhaus" (1911). Nach einer Verpachtung des Bads von 1875 bis 1890 übernahm der Staat wiederum den Kurbetrieb — die weiterhin ständig ansteigende Zahl der Kurgäste machte dies erforderlich. Es wurde viel investiert. Prinzregent Luitpold erwies sich in jenen Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 1912 als großer Gönner und Förderer des Staatsbads Steben. Wichtig war auch der Anschluss an das Eisenbahnnetz 1898. Nun war es für Urlauber, Besucher einfacher, nach Steben zu reisen. Das erhöhte wiederum die Gästezahl.

Der Bad Stebener Kurpark — seine Entstehung und Entwicklung

Das Spazierengehen, die Bewegung, das Genießen der Natur galten stets als wichtiges Element einer Badekur. Mit der steigenden Zahl von Kurgästen musste man Spazierwege und Anlagen oder sogar einen Park schaffen, wie es in anderen Bädern üblich war. Anfänglich

unternahmen Kurgäste häufig Spaziergänge zu der bewaldeten Felsenkuppe östlich von Steben, die mit Rundwegen erschlossen wurde und um 1850 einen hölzernen Pavillon er­hielt. Der Name „Sachsenruh" für diese Anlage lässt erahnen, woher die damaligen Kurgäste vor allem kamen.

 

Doch nun zur Entstehung des eigentlichen Bad Stebener Kurparks. Er konnte nicht als Ganzes — so wie er heute sich darbietet — geplant oder errichtet werden. Das war nicht zu realisieren, denn der Staat besaß zunächst nur einen ganz kleinen Umgriff um die Quellen. Der für die Anlegung eines Kurparks in Frage kommende Grund und Boden war in Privatbesitz und unter zahlreichen Stebenern aufgeteilt. Es blieb nichts anderes übrig als ein Stück Wiese nach dem anderen aufzukaufen. Es sollte 6 bis 7 Jahrzehnte dauern, bis der Kurpark die Größe erreichte (40 ha), die er heute noch hat. Er wuchs von den Heilquellen aus gleichsam nach Norden bzw. Nordwesten, bis zu einer Länge von ca. 1,5 km.

 

Die Entwicklung des Bad Stebener Kurparks vollzog sich in 3 Schritten:

 

1.         Nach dem Ankauf der Quellen 1834 wurde im Quellbereich der sogenannte „Kurgarten" — eine kleine rechteckige Gartenanlage, und direkt um die Quellen auf dem „Kurplatz" das erste Bade- oder Kurhaus angelegt. Dieser Kurgarten war die Urzelle des Kurparks. Später hat dann der ab 1845 in Steben ansässige Landarzt und „Badmeister" Karl Ludwig Thorneck die ersten Bäume im Bereich des Kurgartens gepflanzt, und zwar eigenhändig. Der heutige Kurpark verdankt ihm möglicherweise die ältesten noch vorhandenen Bäume, die 1 '/2 Jahr­hunderte alt sein könnten.

 

2.         Nach der erneuten Übernahme des Bads durch den bayerischen Staat 1890 begann man mit einer Ausweitung des historischen Kurgartens und legte den „Unteren Kurpark" an, der im Norden bis zur Oberstebener Straße reichte. Dies war durch den Ankauf vieler privater Grundstücke möglich geworden. Man hat bis zur Beendigung der Baumaßnahme 1893 sogar italienische Bauarbeiter eingesetzt. Der Leiter der Bad Kissinger Kurgärtnerei soll beauftragt worden sein, die Spazierwege anzulegen. Unter anderem wurden ein Tennisplatz und ein

Krocketplatz errichtet.

 

3. Da Bad Steben sich nach der Jahrhundertwende Weiterhin eines immer größer werdenden Zustroms von Badegästen und Erholungssuchenden erfreuen konnte, wurde es erforderlich, nicht nur neue Kureinrichtungen zu schaffen bzw. diese zu erweitern, man musste den Kurpark nochmals vergrößern. 1870 hatte man jährlich ca. 600 Kurgäste gehabt, vor dem Ersten Weltkrieg stieg deren Zahl gar auf das Sechsfache. Im Zeitraum von 1900 bis ca. 1910 entstanden so zwischen der Oberstebener Straße und der alten Langenbacher Straße der

„Obere Park" und der „Neue Park".

Damit war die Entwicklung des Kurparks abgeschlossen. Diese war in 3 Etappen erfolgt und ging eng einher mit der steigenden Bedeutung des Badeortes im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert.

 

Das Besondere und Schützenswerte am Bad Stebener Kurpark

Hier sind in erster Linie die Denkmalschützer gefragt. Ich möchte wiedergeben, was der zuständige Referent für die Aufnahme von Denkmälern in die Denkmalliste, Herr Dr. Martin Brandt von der Außenstelle des Landesamts für Denkmalpflege in Bamberg, bei einer Begehung des Kurparks Ende Juli über unseren Park geäußert und dann vor kurzem in einem Gutachten dokumentiert hat.

Demnach stand beim Stebener Kurpark das Ideal des englischen Landschaftsparks Pate, der in Form einer spätromantisch aufgefassten Parkanlage ausgeführt wurde. Kennzeichnend hierfür sind locker über den Park verteilte, bis heute erhaltene Baumgruppen, aber auch Solitärbäume, die teilweise Unterpflanzungen mit Büschen erhielten. Man pflanzte v. a.bodenständige Baumarten, vorwiegend Buchen und Ahorn. Auch im Oberen Park und im Neuen Park hat man diesen Stil des englischen Landschaftsparks fortgesetzt. Ich möchte Dr. Brandl selbst zu Wort kommen lassen. Ich zitiere aus seiner Stellungnahme an die Marktgemeinde Bad Steben vom 21. September 2009: „In Kombination mit einem

engmaschigen, stark geschwungenen Wegenetz sowie der Integration von Teich und Bachlauf boten sich dem Besucher vielfältige Spaziergänge mit großer Abwechslung an Blickbezügen auf Wiesen und Baumgruppen, Parkbauten wie Pavillons sowie die Kurbauten selbst. In den jüngeren Parkteilen bezog man schließlich auch Ausblicke in die umliegende Landschaft mit ein, was dem Park bis heute großen Reiz verleiht. Der Spaziergänger erlebte nicht nur die gestaltete Natur, sondern hatte schließlich auch den Eindruck in freier Natur u wandeln, ohne die Wege des Parks verlassen zu müssen".

 

Dr. Brandl hat im Rahmen seiner Recherchen und Untersuchungen unter Zuhilfenahme von Karten Zustand und Struktur des Kurparks nach seiner Fertigstellung im Jahr 1910 mit dem heutigen Bild verglichen und ist zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen — nämlich, dass der Kurpark nicht viele bauliche Eingriffe, kaum Veränderungen erfahren hat. Es wurde lediglich im Unteren Kurpark eine kleine Fläche mit den Thermen überbaut (2004). Dadurch werde aber die Aussagekraft des Gartendenkmals Kurpark nicht beeinträchtigt. Der Konservator zeigte sich erfreut darüber, dass erstaunlich viele typische Strukturen des Stils eines englischen Landschaftsparks erhalten sind: Baumgruppen, Einzelbäume mit Büschen als Unterpflanzungen. Vor allem das alte engmaschige Wegenetz sei zu etwa 90 % noch vorhanden. Wichtig für Dr. Brandl ist, dass gartenbaugeschichtlich betrachtet die Gesamtanlage des Stebener Kurparks von den nach 1900 aufkommenden „Reformgärten", mit denen man streng formal gestaltete Park- und Gartenanlagen der Renaissance- und Barockzeit wiederzubeleben versuchte, gänzlich unberührt ist.

 

Der Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege zeigte sich sehr beeindruckt vom Stebener Kurpark. Er kam zu folgendem Schluss:

 

Der Kurpark von Bad Steben ist ein Gartendenkmal aus geschichtlichen, gartenkünstlerischen sowie städtebaulichen Gründen  (Er ist prägendes Element im Ortsbild !) und ist in die Denkmalliste einzutragen.

 

Er ist ein bedeutendes Beispiel des spätromantischen Garten-- und Parkbaus. Zusammen mit den bereits eingetragenen Denkmälern des Kurwesens (Wandelhalle, Staatl. Kurhaus, Parkschlösschen, alte Kurgärtnerei) ist er außerdem von hohem Wert für die Geschichte des Kur- und Heilwesens in Oberfranken und Bayern insgesamt.

kurpark

Bilder aus dem Bereich des vorgesehenen Thermenhotels